Tatort CCC

Nicht zu übersehen: 51 Tatortautoren haben sich vor einigen Tagen in einem offenen Brief fürs Urheberrecht eingesetzt und sich damit einen Shitstorm eingehandelt (für einen solchen bedürfe es vieler Arschlöcher, stellte Filmkomponist Schmidt-Hambrock treffend dazu fest). Reaktionen kamen aber auch vom ChaosComputerClub, und die lesen sich vergleichweise wohltuend – klar formuliert und orthographisch Bewährtem zugeneigt.

Das wars aber auch schon mit der Wohltat. Zwar verbittet sich der ChaosComputerClub, mit gewissen „Zwölfjährigen“ in einen Topf geworfen zu werden, die „gegen Staat, GEMA und zu wenig Taschengeld rebellierend ihre Lieblingsmusik für lau aus dem Netz ziehen und denen dafür jede Rechtfertigung recht ist“, doch dann argumentiert er selbst gerade so widersprüchlich wie zwölfjährige Piraten.

Eben noch vehement dagegen, daß sich Konsumenten für lau an den Urhebern gütlich tun, stellt er die Sachlage, schwupp, auf den Kopf und empfiehlt den Urhebern: „Anstatt Euch an den Konsumenten gütlich zu tun, solltet Ihr Eure Anstrengungen darauf konzentrieren, für Eure Werke direkt vom Auftraggeber ordentlich entlohnt zu werden. Was Ihr braucht ist eine den Namen verdienende, starke Gewerkschaft …“

Halt mal – war da nicht vorhin von der Gema die Rede? Fix schlägt der CCC einen Haken und präzisiert: eine „Gewerkschaft, kein Monster aus Verwertungsgesellschaften, die dann Youtube langjährig verklagen, weil sie kostenlos Werbung für Euch machen und Euch damit zukünftige Aufträge verschaffen.“

Kurz mal sortieren: Der Monstermonopolist Google nimmt bekanntlich Milliarden ein, indem er auf seinen Youtubeseiten Werbung neben Werken plaziert, deren Urheber oft weder darum gebeten haben, dort zu erscheinen, noch gefragt wurden, noch einen Cent dafür erhalten. Weiß der CCC, daß Google nicht selbstlos für Künstler, sondern auf deren Kosten Werbung macht? Gewiß weiß der CCC das – er unterschlägts nur.

Weiß der CCC, daß die Gema mitnichten ein „Monster aus Verwertungsgesellschaften“ ist, sondern durchaus die Rechte der Künstler vertritt? Weiß der CCC, daß die Gema klagt, weil Youtube selbst für eine Million Views nicht mal 160 € an den Urheber zahlen will? Klar weiß der CCC das – er unterschlägts nur.

Dafür präsentiert er den Vorschlag, Kreative künftig mit „Wertmark“ zu entlohnen: „Jeder Teilnehmer zahlt einen festen monatlichen Betrag ins System ein, den er dann in Form von Kulturwertmark an Künstler seiner Wahl vergeben kann.“ Eine nette Idee, die nur den Nachteil hat, daß ohne den Rückhalt des Urheberrechts auch auf diesem Wege selbst erfolgreichste Urheber mit Almosen abgespeist würden.

Wie die Piraten bestreitet der CCC zwar, das Urheberrecht abschaffen zu wollen, wendet sich aber wütend gegen das „sogenannte geistige Eigentum“, ebenso wie die Piraten beschwört er die „Macht des Faktischen“, und selbstverständlich fordert auch er eine radikale Verkürzung des Schutzrechts. Selbst die bis zur Hirnerweichung zitierte „Gängelung“ der User läßt er nicht aus.

Der CCC steht den zwölfjährigen Piraten näher, als er wahrhaben möchte.

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