Unendliche Weiten

„Unendliche Weiten! Wir schreiben das Jahr 2012. Der uralte Traum, alles Wissen und alle Kultur der Menschheit zusammenzutragen, zu speichern und heute und in der Zukunft verfügbar zu machen, ist durch die rasante technische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte in greifbare Nähe gerückt. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise …“ – halt, da ist mir was durcheinandergeraten. Die unendlichen Weiten stammen gar nicht aus dem Grundsatzprogramm der Piratenpartei, sondern aus dem Star-Trek-Vorspann, und die Piraten fahren in Wahrheit nicht mit der Enterprise fort, sondern mit der bahnbrechenden Entwicklung. Auch auf die Entwicklung lauern allerdings Feinde, und zwar in Form häßlicher Rahmenbedingungen:

„Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschränken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verständnis von so genanntem ‚geistigem Eigentum’ basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht.“

Nicht irritieren lassen – im Schwafeldampf steckt eine Botschaft. Die Piraten möchten sagen, das geltende deutsche Urheberrecht behindere die Entwicklung einer weltweiten Wissensgesellschaft. Schön, keine Frage – Weltwissen, Weltkultur, Weltfrieden – das sind Dinge, auf die man gar nicht oft genug trinken kann. Außerdem sind wir Deutschen als Dichter und Denker dazu prädestiniert, die Welt kostenlos mit kreativem Geist zu beglücken. Sie wird es uns ganz gewiß danken, indem sie uns künftig gratis mit Rohstoffen wie Öl, Gas, Erzen und seltenen Erden eindeckt.

Das ist der Hintergrund, vor dem der veraltete Begriff des Geistigen Eigentums zu sehen ist! Julia Schramm, Mitglied im Piratenvorstand, findet ihn geradezu „ekelhaft“. Künstler etwa sind für sie nur Filter für das, was in der Welt ist und allen gehört. Und es ist ja wirklich nicht von der Hand zu weisen: das Alphabet existiert seit 2000 Jahren und gehört allen. Wieso sollten Schriftsteller, die noch nie was anderes getan haben, als immer dieselben einzelnen Buchstaben mal so, mal so aneinanderzureihen, geistige Eigentumsansprüche stellen? Oder nehmen sie die Töne – die gabs schon immer auf der Welt; ein Komponist setzt bloß einen an den anderen, verstehen Sie? Stellen Sie sich eine Klaviertastatur vor: die Töne sind alle da! Sie gehören jedem, der sich an den Flügel setzt. Und wenn es Lang Lang ist – na und? Der ist auch bloß ein Filter, der läßt auch bloß die falschen weg.

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