Protestidioten

Zwei Wörter, bei denen mir der Hals schwillt: „Politikverdrossenheit“ und „Protestwähler“. Seit Jahren verlieren die Parteien Mitglieder, immer weniger Menschen sind bereit, sich für öffentliche Aufgaben zu engagieren und sich die Mühe zu machen, aktiv Einfluß zu nehmen. Zugleich wächst in den Köpfen die Auffassung, „die da oben sind allesamt unglaubwürdige Gangster und Versager, die lügen alle wie gedruckt und machen sowieso, was sie wollen“. Ist den Leuten der Zusammenhang nicht klar? 40,4 % der Wahlberechtigten in NRW sind gar nicht erst zur Wahl gegangen, von den anderen haben sich 7,8 % für die Piraten entschieden – für eine Spaßpartei aus hohlen Phrasendreschern, deren Programm sich liest wie ein Wunschzettel an den Nikolaus (Erhard Eppler). Hinter diesem „Protestwahlverhalten“ steht nichts anderes als der enttäuschte Anspruch auf mühelosen Demokratiekonsum. Wer aber Demokratie ohne Anstrengung, ohne eigenes Engagement will, wer Idioten ans Steuer wählt oder gar nicht erst zur Wahl geht, braucht sich nachher nicht zu beklagen, wenn ihm die Richtung nicht paßt. Wer sich von keiner Partei vertreten findet, soll halt selbst eine gründen oder versuchen, auf eine vorhandene Einfluß zu nehmen: lesen, schlau machen, Meinung bilden, Meinung sagen – das ist das Mindeste! Dumpfe Ablehnung ist kein Verdienst. Demokratie wächst nicht auf dem Baum.

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