Habt Spaß!

Wir Deutschen haben die Neigung, unsere eigene Lebensart geringzuschätzen und anderwärtige zu bewundern. So haben wir beispielsweise unsere Sprache immer als provinziell empfunden. Wer auf sich hielt, bediente sich schon zu Urgroßvaters Zeiten des Französischen, kaufte Billetts anstelle von Fahrkarten, gab Sauce an den Salat und begab sich zum Rendezvous. Das ist heute nicht anders, nur daß wir jetzt Tickets kaufen, Dressing auf die Tomaten tun und Dates haben. Wer nicht so weit gehen möchte, Fun zu haben, will wenigstens Spaß haben – da ist immerhin die Grammatik englisch. Am weltläufigsten klingt der joviale Imperativ: „Habt Spaß!“

Daß Friedrich Merz dieses Phänomen meinte, als er vorzeiten von deutscher Leitkultur sprach, ist nicht anzunehmen. Es war wohl eher das deutsche Kulturerbe, mit dem er Zuwanderer vertraut wissen wollte. Eigentlich eine gute Idee: es ginge nicht verloren, und wir German natives könnten uns weiter anderen Ländern und Sitten zuwenden, könnten umso unbeschwerter Dates, Snacks, Drinks, Events und überhaupt eine gute Zeit haben.

Natürlich mit deutscher Gründlichkeit. Unsere Apostrophe machen nicht beim Genitiv halt, unsere Häuser in der Toskana sind toskanischer als alle anderen, niemand auf der Welt hat schneller als wir von Bombay auf Mummbei umge­switscht, von Peking auf Bejdsching, von Burma auf Birma auf Myanmar. Lisboa und Parie haben sich noch nicht durchgesetzt, aber das kommt noch. Wir sind gründlich. Wenn sich in Griechenland einer beim Sirtaki das Bein bricht, ist es garantiert einer von uns.

Übrigens sollten wir langsam aufhören, den Griechen übelzunehmen, daß sie jahrelang bereitwillig teure Produkte unserer Unternehmen gekauft und mit Krediten unserer Banken bezahlt haben und nun, kaum daß man ihnen die Zinsen in exorbitante Höhen geschraubt hat, milliardenweise Geld leihen müssen, um sie aufbringen zu können! Waren wir nicht einmal rückhaltlose Adepten der griechischen Kultur? Haben nicht unsere Dichter und Denker allesamt nach Griechenland geblickt und Nektar wie Ambrosia vom Tisch der Olympier genossen? Besinnen wir uns auf unsere klassische Bildung – auf die Göttin der Morgenröte, die rosenfingrige Zaziki, auf den Sonnengott Gyros mit seinem herrlichen Himmelswagen aus Krautsalat, auf den Göttervater, den erdkreiserschütternden Souflaki, huldigen wir dem mächtigen Herrscher der Meere Metaxa und seinem Dings, dem pummeligen Nackedei mit den Liebespfeilen, dem kleinen Ouzo, Sohn der schaumgeborenen Retsina, bekränzen wir uns mit gefüllten Weinblättern und duftenden Zwiebelringen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s