Journalismus am Puls der Zeit

Bei Anne Will gehts heute um den von Europol soeben aufgedeckten Wettbetrug im internationalen Fußball; offenbar sind selbst WM- und EM-Qualifikationsspiele sowie Partien der Champions League manipuliert worden. Einer der Gäste in der Talkrunde: Dr. Diether Dehm (Die Linke). Warum? Sein Vater war in der ersten Hälfte es letzten Jahrhunderts Fußballer. Das erinnert mich an einen Sketch, den ich mal über den Afghanistan-Journalismus geschrieben habe.

MITTENDRIN

Fernsehstudio, Talkrunde, im Hintergrund wechselweise Bilder von Turbanträgern, startenden Bombern und Feuersbrünsten; zwischendurch der flammende Schriftzug „Krieg, Krieg, Krieg – Mittendrin ist mittendrin.“

Moderator: (hochseriös, schwarzer Anzug, taubenblauer Schlips, Brille, konsequente Leichenbittermine) Guten Abend zu „Mittendrin“, meine Damen und Herren, ich bin Ralf Heidelberg, und wir sind, wie immer, mittendrin im Geschehen. Der Informationsfluß von offizieller, insbesondere von militärischer Seite ist zurückhaltend – Geheimhaltung und Sicherheit, so heißt es, seien vorrangig. Deshalb werden wir Sie so detailliert wie möglich unterrichten. In unserer Runde begrüße ich heute Herrn Walter Specht, Herrn Diether Mollmann und Herrn Wilhelm Ruetli.

Gäste: (nicken zur Begrüßung)

Moderator: (zu Specht) Herr Specht, ich habe Sie nicht ohne Grund als ersten angesprochen, denn Sie sind wahrlich mittendrin im Geschehen: Ihr eigener Großvater war in zweiter Ehe mit einer Frau verheiratet, deren leiblicher Enkelsohn lange von einer Afghanistanreise gesprochen hat.

Specht: (unrasiert, Jogginganzug) Nicht Afghanistan – Ibiza, soweit ich weiß.

Moderator: (betroffen) Ich verstehe. Nichts ist mehr sicher in diesen Tagen. Haben Sie von ihm gehört? Wissen Sie, ob er lebt?

Specht: Nee, ja – schon. Also, er lebt. Weil, er wollte eigentlich letzten Sommer los, aber dann doch erst nächsten Sommer.

Moderator: Ich verstehe. Er ist demnach auch nicht inhaftiert.

Specht: Na ja – doch! Deshalb konnte er ja nicht nach Ibiza.

Moderator: Ich verstehe … (wendet sich eilig Mollmann zu) … kommen wir zu Ihnen, Herr Mollmann. Sie gehören zu den direkt Betroffenen – Sie halten einen Afghanen.

Mollmann: Also, eigentlich ist er nicht ganz reinrassig – wahrscheinlich ist da auch noch ein Terrier drin und ein Collie.

Moderator: (betroffen) Ich verstehe. Also tatsächlich ein weitgehend afghanischer Windhund. Sagen Sie – zeigt er Anzeichen von … Fanatismus?

Mollmann: Nein, er wird regelmäßig entwurmt.

Moderator: (betroffen) Ich verstehe. Eine schwierige Situation für Sie, Herr Mollmann. Wie werden Sie damit fertig? Wie gehen Sie mit damit um?

Mollmann: Mindestens dreimal am Tag. Wenigstens kurz um den Block; ich meine – raus muß er ja!

Ruetli: (schweizerischer Akzent) Sie, also das finde ich unerhört! Wie kann man nur so ein Tier einfach auf den Gehsteig kchoten lassen?! Andere Menschen kommen nichtsahnend, und dann liegt da schon wieder so eine Tretmine – also, für mich ischt das nakchter Terror!

Moderator: (sieht Ruetli betroffen an, dann Specht, dann in die Kamera) Wie man sieht, hat Herr Specht mit erheblichen Anfeindungen zu kämpfen. Das ist begreiflich vor dem weltpolitischen Hintergrund – doch ist es gerechtfertigt?

(das Hintergrundbild zeigt nun eine verschleierte Frau)

Moderator: (zu Ruetli) Herr Ruetli – Sie stehen den Afghanen offensichtlich sehr kritisch gegenüber, sind aber selbst Muslim.

Ruetli: Richtig, ja. Es heischt aber nicht Muslim, sondern Muesli. Wir machen Muesli.

Moderator: (betroffen) Ich verstehe. Der Islam ist vielfältig. Wie ernst aber nehmen Sie seine Gebote grundsätzlich? Trägt beispielsweise ihre Gattin einen Schleier?

Ruetli: Einen Schleier? Nein.

Moderator: Also keinen Chaderi?

Ruetli: Aber nein, kein … Chaderi! Nüssli tun wir dran und Apfelschnitzli – überhaupt viel Obscht; das ischt ja gerade das Gesunde!

Moderator: (betroffen) Ich verstehe. Demnach lehnen Sie Alkohol und Schweinefleisch strikt ab.

Ruetli: (entschieden) Richtig! Gehört beides nicht ins Muesli!

Moderator: Dankesehr, Herr Ruetli! (in die Kamera) Ein gutes Schlußwort, meine Damen und Herren. Das war „Mittendrin“ für heute; in meiner nächsten Sendung sehen Sie einen Herrn, der einen Kaschmirschal besitzt; ein weiterer Gast raucht schwarzen Afghanen, ebenfalls betroffen der dritte: sein linkes Bein Islam.

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2 Gedanken zu „Journalismus am Puls der Zeit

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