Rektaliban

Das Internet ist vor allem eines: frei.

Englisch: free. Also gratis. So war es, so ist es, und so soll es bleiben – kostenlos. Frei. Klar, wenn von Freiheit im Netz die Rede ist, gehts irgendwie auch immer ganz dolle um Meinungsfreiheit und all sowas, aber in allererster Linie soll der Spaß nichts kosten. Deshalb müssen Google & Co. so frei sein, ihn zur Verfügung zu stellen, ohne selbst unangenehme Zahlungen dafür zu leisten. Es kann ferner nötig sein, daß Google jede Userbewegung akribisch verfolgt und aufzeichnet und alle Nutzerdaten sammelt, speichert und auswertet bis in alle Ewigkeit, aber das kostet den User ja nichts – so what!

Wie immer im Leben gibts natürlich auch hier Spielverderber: die Leute, die den Spaß produzieren und Geld dafür wollen. Kriegen sie aber nicht. Dafür sorgen Google und die Usergemeinde in trauter Solidarität. Man hat schließlich gemeinsame Interessen, und Google ist großzügig, wenn es um kleine Korrekturen der öffentlichen Meinung oder finanzielle Hilfen für, sagen wir, Bürgerrechtsbewegungen geht, oder für Forschungsinstitute wie das völlig unabhängige, von Google selbstlos finanzierte „Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft“ der Berliner Humboldt-Universität.

Man muß aber kein Wissenschaftler oder Bürgerrechtler sein, um für Schrankenlosigkeit, Anonymität, allseits ungehemmte Nutzung und vor allem gegen staatliche Kontrolle zu kämpfen. Auch wenn sich die Ziele unübersehbar mit Googles Wünschen decken – sie sind rechtschaffen, ja heilig! Freiheit, Leute, Freiheit! Gut, neben Datenausspähung und Urheberausbeutung gibt es hier und da noch andere Nebenwirkungen im Netz – Scheißestürme, Hackerangriffe, Drogen, Nazis, Terror, Waffen, Kinderpornos, jede erdenkliche Art von Kriminalität – aber das muß uns die Freiheit wert sein. Oder wollt ihr den Überwachungsstaat? Chinesische Zustände? Niemals!

Wer so couragiert denkt und  handelt, muß nicht einmal von Google bestochen sein – es reicht ein wohliges Wir-Gefühl im warmen Rektum der Milliardenmaschine, und schon reagiert man auf jeden Kritiker, auf jedes sachliche Argument, auf jede präzise Frage wendig wie ein Scientologe: man weicht aus, eröffnet Nebenkriegsschauplätze, schwallt Sprachnebel, ignoriert unbequeme Fakten mit einem Lächeln und windet sich wohlig wie ein Bandwurm.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Rektaliban

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s