Von Menschen und Menschinnen (Warum männliche Professorinnen elitäre Kackscheiße sind)

Seit die Geschäftsordnung der Uni Leipzig männliche Professorinnen vorsieht, ist ein „neuer“ Begriff in der Welt: das „generische Femininum“. Dem Anschein nach in Leipzig erfunden, wurde es sogleich lebhaft von den Grünen begrüßt, die es nun an den Universitäten unterstützen wollen.

Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens, weil das generische Femininum keineswegs neu ist. Nicht einmal an Universitäten. Auch dort gab es beispielsweise schon immer Fachkräfte. Die Fachkraft ist ihrem grammatischen Geschlecht (dem Genus) nach weiblich. Dieses Genus sagt jedoch nichts über das biologische Geschlecht des bezeichneten Objekts aus. Deshalb können Männer problemlos Fachkräfte sein: „Herr Müller ist unsere beste Kraft.“ Zugleich ist Frau Müller ein reizender Mensch. Dabei ist der Mensch männlich. Das macht aber nix – dank des generischen Maskulinums kann Frau Müller einer sein. Und ob das (generisch neutrale) Kind der Müllers ein Junge oder ein Mädchen ist, geht uns erst was an, wenn es uns ausdrücklich mitgeteilt wird.

Man sieht: generische Genera sind überaus nützlich. Sie gestatten es uns, vom biologischen Geschlecht abzusehen, wenn es gerade keine Rolle spielt oder spielen soll. (Was fast immer der Fall ist.) Generische Genera machen keinen Geschlechterunterschied, sie grenzen nicht aus, sie sind nicht parteiisch und treffen auch keine Wertungen. Der Mensch ist nichts als ein Mensch – gleich, ob Mann oder Frau. Wenn man von Menschen spricht, sind Frauen nicht „mitgemeint“, sie sind gemeint. Nicht mehr und nicht weniger als Männer und Kinder. Frauen sind auch ausdrücklich gemeint, wenn „Bürger“ angesprochen sind, „Verkehrsteilnehmer“, „Studenten“, „Alkoholiker“ und, und, und. Deshalb gehört den Feministen das manipulative Wort „mitgemeint“ um die Ohren gehauen. Es tut so, als mache die Grammatik die Frau zu einem unsichtbaren Untermenschen. Das ist nicht nur Blödsinn, es ist haarsträubender Blödsinn.

Sind beide biologischen Geschlechter gleichermaßen gemeint, ist ihre sprachliche Trennung nicht nur überflüssig und lästig für jeden Leser, sie kann sogar falsch sein. Wenn Frau Müller die beste Ärztin der Stadt ist, ist sie nur die beste aller Ärztinnen. Ist sie dagegen der beste Arzt, ist sie auch besser als ihre männlichen Kollegen.

Warum dann keine Professorinnen als “generisches Femininum”? Da könnte die beste Professorin doch auch ein Mann sein. Ganz einfach: weils nicht geht.

Das ist der zweite bemerkenswerte Punkt. Die weibliche Endung legt das biologische Geschlecht nämlich eindeutig fest. Sie sagt klipp und klar: Weibchen. Das gilt für Professorinnen wie für Ärztinnen, Soldatinnen, Beamtinnen, Bergsteigerinnen, Joggerinnen, Alkoholikerinnen, für Häsinnen, Eselinnen, Bärinnen, Störchinnen und so fort. So funktioniert die deutsche Sprache (und zwar sehr gut und ausnahmsweise einfach).

Um männliche Professorinnen als generisches Femininum handhabbar zu machen, muß man sie schon erst mit gewaltigem Tamtam als geschlechtslos annoncieren. Konträr zum authentischen Sprachempfinden, zur gewachsenen Grammatik, zur allgemeinen Praxis und nicht zuletzt zur Literaturgeschichte. Mit diesem Vorgehen erinnert mich der bemerkenswerte Lehrkörper der Uni Leipzig an den alten Witz über die Umstellung des britischen Linksverkehrs auf Rechtsverkehr: die sei beschlossen, aber zunächst nur für Lastwagen.

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Ein Gedanke zu „Von Menschen und Menschinnen (Warum männliche Professorinnen elitäre Kackscheiße sind)

  1. Ergänzung: Es war auch zu lesen, die Leipziger Entscheidung fürs generische Femininum habe der lästigen Pflicht abhelfen sollen, bei jeder Gelegenheit umständlich von „Professorinnen und Professoren“ zu reden. Das stimmt, wie ich höre: die Anregung, männliche Professorinnen einzuführen, kam aus der Fakultät für Chemie & Mineralogie, die fürs Gender-Mainstreaming ansonsten eher verhaltenes Interesse zeigt – der Vorschlag war ironisch gemeint. Die Herren Chemiker hätten wissen müssen, daß Ironiefähigkeit keine ausgesprochen weibliche Stärke ist.

    Und noch etwas: Mir sind für den infantilen Ausdruck „Kackscheiße“ bittere Vorwürfe gemacht worden. Ich weise darauf hin, daß es sich um ein Zitat handelt; „sexistische Kackscheiße“ ist bekanntlich eine feministische Erfindung.

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