Ruhe im Puff?

Was ist los? Im Bundestag findet eine Öffentliche Anhörung „zur Bekämpfung des Menschenhandels und Überwachung von Prostitutionsstätten“ statt, alles redet über Frankreichs Pläne, Freier zu bestrafen, was Schweden bereits tut (dabei gibt es dort gar keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern mehr), im Netz häufen sich schummrige Rotlichtfotos, in Deutschland erschallt der Ruf nach einem Totalverbot der Prostitution. Allen voran exponiert sich, wie stets in zwischengeschlechtlichen Fragen, Alice Schwarzer. Sie hat erstens keinerlei Bordellerfahrung und ist zweitens Lesbe, was ihr eine höchst eigene Expertensicht der Dinge gestattet: ihr drängt sich „die Parallele zwischen Pädophilie und Prostitution“ auf. Bei beiden gehe es um Macht und um Sexualpolitik. „In der Prostitution herrscht – ganz wie bei der Pädophilie – nicht Gleichheit, sondern Ungleichheit“, so Frau Schwarzer zur „Zeit“. Das gibt mir zu denken. Ich stelle mir Männer vor, die, von einem dunklen sexualpolitischen Drang getrieben, in den Puff eilen und nur eines wollen: Frauen unterdrücken. Die Nutten ihrerseits sind allesamt unschuldige und vor allem unmündige Kinder. Hurenbewegung? Hydra? Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen? Ach was! Es gibt keine freiwillige Prostitution, weiß Frau Schwarzer, denn „ein Mensch ist keine Ware, so wie ein Kind kein Erwachsener ist.“

Ok, ein Kind ist kein Erwachsener, so wie ein Pflaumenbaum kein Kugelschreiber ist, und welche Meinung man als anständiger Mensch zum Thema Prostitution zu haben hat, ist eh klar. Wie so viele sehe ich sogar die einmalig günstige Gelegenheit, eine untadelige Moralvorstellung zu geben – und doch kriege ich den gebotenen Standpunkt nicht recht hin. Ich werde den hartnäckigen Verdacht nicht los, daß Männer ins Bordell gehen, um zu vögeln. Ich habe auch noch nie gehört, daß sich dort einer eine Frau gekauft hätte; soweit ich weiß, bekommt man fürs Geld nur Sex. Dies allerdings tatsächlich nicht nur von selbstbewußt selbstbestimmten Prostituierten, wie die Sozialarbeiterin Sabine Constabel in der „Emma“ überzeugend berichtet. Bei den erfaßten Neuzugängen unter den Prostituierten zeige sich „ein Ausländeranteil von 90 Prozent. … Der größte Teil der Frauen entstammt der Volksgruppe der Roma und den türkischen Minderheiten in Bulgarien und Rumänien … In aller Regel arbeiten die Frauen für ihre Familien und schicken ihren gesamten Prostitutionserwerb nach Hause … Sie werden begleitet von Brüdern, Cousins, von ihren Ehemännern, von ihren Vätern und mitunter sind es auch die Mütter, die ihre Töchter nach Deutschland in die Prostitution bringen … Auch die Frauen, die selbstständig eingereist sind, erzählen zuhauf, dass sie sich nicht wirklich für die Prostitution entschieden hätten, sondern sich nur prostituieren, weil ihnen keine andere Wahl gelassen wurde.“

Diese Frauen werden also offensichtlich aus Armutsgründen von ihren eigenen Familien ausgebeutet. Das ist eine üble Sache – aber ganz gewiß kein Anlaß, abgestandenen Pauschalblödsinn über männliche Macht- und Unterdrückungsgelüste aufzuwärmen. Allerdings wollen nicht nur deutsche Bordellbetreiber an der Situation verdienen. Auch Frau Schwarzers neues Buch soll sich verkaufen.

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