„PEGIDA“

Sascha Lobo hat den Nagel auf den Kopf getroffen. „Pegida ist ein Symptom für die deutsche Gesellschaft“, schreibt er, „Mit Pegida geht eine Saat auf, die seit vielen Jahrzehnten in Deutschland gesät wurde, auch in Westdeutschland. Denn gerade was Ausländerfeindlichkeit angeht, ist die Entkopplung der eigenen, lautstark erklärten Haltung von den daraus folgenden Taten Standard. Das politische Gelaber, dass Deutschland ein ‚weltoffenes und gastfreundliches Land‘ sei, quoll aus Hunderten Mündern in Tausende Mikrofone, während auch durch die politischen Beschlüsse deutscher Regierungen an Europas abgeriegelten Grenzen Tausende zerschellten oder ertranken.“

Stimmt. „Eine Schande“, findet Lobo und fällt damit selbst ein ins Lied der Moralisten, deren Scheinheiligkeit er eben noch gegeißelt hat.

Gewiß könnte Deutschland viel mehr Flüchtlinge aufnehmen, gewiß könnte man sie viel besser behandeln, gewiß könnte man überhaupt ein viel besseres Einwanderungskonzept anwenden (zumal von „Konzept“ derzeit schwerlich die Rede sein kann), und man sollte all das auch tun. Tatsache ist schließlich, daß Deutschland dringend Einwanderer braucht, auch wenn sich das noch nicht bis Dresden herumgesprochen hat. Das Boot ist nicht voll, sondern leert sich infolge der demographischen Entwicklung bedenklich. Das heißt freilich nicht, daß Deutschland einfach die Arme öffnen und alle Einwanderungswünsche problemlos erfüllen könnte; die Zukunft verspricht unter anderem bis 2050 eine Verdoppelung der Bevölkerung Afrikas auf zwei Milliarden. Politiker und Journalisten täten daher gut daran, sich moralisch überhebliche Posen zu verkneifen – insbesonderen jene Saubermänner, die an der völligen Moralfreiheit unserer Konzerne und Waffenschmieden nichts auszusetzen finden. Allerdings wäre uns die Weltrettung selbst bei untadeligstem Wohlverhalten aller Deutschen unmöglich. Dem kleinen Mann fromme Vorhaltungen zu machen, ist deshalb verlogen – und das merkt er.

Die öffentliche Heuchelei ist ohnehin peinlich ohne Ende. Derzeit ergehen sich die Medien in Entrüstung über den herrschenden Rechtspopulismus, als gebe es nur diesen. Klar, wenn die CSU von Migranten fordert, in der Familie Deutsch zu sprechen, ist das rechtspopulistisch; schließlich hat gerade die CSU alles darangesetzt, Migrantenkinder mittels Herdprämie vom Deutschlernen in der Kita abzuhalten. Die Häme, mit der Grün und Rot auf die Steilvorlage reagiert haben, war aber nicht minder populistisch: von der „Sprachpolizei“ bis zum „Lauschen an der Tür“ wurde jede erdenkliche Blödheit als Schreckbild an die Wand gemalt. (Ich kann mich übrigens nicht erinnern, daß SPD oder Grüne 1997 bei der Änderung des Paragraphen 177 StGB hinsichtlich der Vergewaltigung in der Ehe vor einer Schlafzimmerpolizei gewarnt hätten.) Daß für die Integration von Einwanderern nichts wichtiger ist als Deutsch zu können und es den Kindern (oder umgekehrt den Eltern) egal wie und wo beizubringen, spielt für die Verteidiger der familiären Intimsphäre keine Rolle. Auch das ist verlogen und vedrießt das Volk.

Petra Pau von der Linken sagt: „… Ich denke, wir sind veranlaßt, uns alle, quer durch die demokratischen Parteien, zu fragen: ‚Wo haben wir das Gespräch, die Begegnung mit den Bürgerinnen und Bürgern versäumt, wo haben wir auch politische Entscheidungen nicht kommuniziert, nicht auch um Verständnis geworben?‘“

Recht hat sie. Obendrein sollten sich sämtliche demokratischen Parteien quer Beet fragen: „Wo heucheln und lügen wir allzu dreist?“ Das könnte gegen den Unmut der verarschten Dresdener Deppen helfen. Und, liebe Medien: wer ein realistisches Bild von der Welt vermitteln will, sollte darauf verzichten, jede islamische Mücke zum Elefanten aufzublasen, wochenlang die armselige „Scharia Polizei“ breitzutreten und alle naslang salafistischen Irren eine Talkshowbühne zu bieten. Ach, und, liebe Moslems: gebt doch den Medien einfach keinen Anlaß für sowas!

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2 Gedanken zu „„PEGIDA“

  1. Lieber Erich,
    bei Sascha Lobo bekam ich schon Schnappatmung, aber dann wurde es langsam besser. Wenn PEGIDA Perra Pau und andere Politiker zu gewissen Einsichten bringt, ist sie oder das nicht umsonst. Und zu den „Dresdner Deppen“ fragte Michael Klonovsky neulich listig: „Eine wirklich sinnvolle journalistische Aufgabe bestünde einmal darin, das durchschnittliche Steueraufkommen der Pegida-Demonstranten zu ermitteln und mit jenem der Gegendemonstranten zu vergleichen. Dann gewänne der Satz unseres glorreichen SPD-Justizmisters, Pegida sei „eine Schande für Deutschland“, wünschenswert an Präzision.“

    Gruss!

    Michael

    • Lieber Michael,

      „Listig“? Ein unangenehm affektierter Satz, der auch nicht „wünschenswert“ an Sinn gewänne, wenn Klonovskys Steuerklasse dabeistünde.

      Gruß, Erich

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