„Emotional“

Das Morgenmagazin von ARD und ZDF wird immer schwerer erträglich. Jeden Morgen kriege ich im Kita-Ton die Welt erklärt und bin schon dankbar, wenn die Bundesbank im „Moma“ noch nicht Buba heißt. Aber nicht nur die Wörter schrumpfen, der ganze Wortschatz schrumpft. Eine Korrespondentin berichtete heute, die schwarzen Demonstranten in Ferguson seien gestern sehr „emotional“ gewesen. „Emotional“ ist das neue Wort für alles; egal ob es um tobende Massen geht, um Fußball, um die sanfte Geburt oder Ebola – irgendwer ist garantiert „emotional“. Heilige Verblödung. Man sollte den Journalisten das Mikrophon wegnehmen und ihnen sanft, aber nachrücklich damit auf den Kopf hauen; bei jedem Wort einmal: bewegt, aufgeregt, aufgewühlt, bestürzt, betroffen, ergriffen, erregt, erschüttert, gerührt, nervös, überwältigt, ärgerlich, empört, entrüstet, erbittert, erbost, erzürnt, gereizt, verdrossen, wütend, zornig, betreten, entgeistert, entsetzt, fassungslos, überrascht, verstört, verzückt, entzückt, berauscht, hingerissen, mitgerissen, trunken und so fort. Und wenn sie dabei noch so emotional werden.

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Ein Gedanke zu „„Emotional“

  1. Tja, wahre Worte. Die Betroffenheits-Infantilisierung scheint tagtäglich zuzunehmen. Unvergessen hierzu auch die transpirationsgeplagte Reporterin auf der Love-Parade vor 10 Jahren in Berlin; an einem sehr heißen Sommertag:

    „Ich bin schon völlig eingeschweißt“

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