Lumpi ins Europaparlament!

Wegen ihres Unterhaltungswertes bedaure ich das Verschwinden der Piraten manchmal. Schadenfreude gehört ja zu den größten menschlichen Wonnen, und was der Langfingerpartei so alles an peinlichen Blödheiten eingefallen ist, hat mich oft erheitert. Noch öfter hat mich freilich das Ausmaß ihrer Einfalt beunruhigt. Die wackere Julia Reda, einsame deutsche Piratin im Europaparlament, ist noch immer für beides gut.

Man lese dieses Interview und bedenke: das gute Kind ist erklärte Netzexpertin! Als solche beklagt sie, das Urheberrecht sei so kompliziert – wenn ein User es beachten wolle, brauche er dafür “ein zweites juristisches Staatsexamen“. Nein, liebes Julchen, das braucht niemand. Die schlichte Regel lautet ganz einfach: Benutze nichts ungefragt, was dir nicht gehört. Das versteht selbst ein Dackel.

Begriffen? Nein? Oha. Noch dämlicher gehts aber nicht, oder?

Doch?!

Tatsächlich: Du sagst: “Für die Rechteinhaber gibt es Mindeststandards, für den Schutz der Allgemeinheit und für den Schutz der Urheberinnen und Urheber aber nicht.“ Jule, Jule, Jule! Erstens sind Urheber selbst Rechteinhaber, wie jeder weiß. Zweitens genießen sie den Schutz des Urheberrechts. Dafür ist es da. (Hör auf zu kläffen, Lumpi – ich erklärs ihr ja gerade!) Und drittens muß die Allgemeinheit vor Übergriffen von Autoren und Komponisten ebenso dringend geschützt werden, wie der Kunde davor geschützt werden muß, daß der Bäcker ihm die Brötchen klaut.

Wieder nicht begriffen? War klar.

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3 Gedanken zu „Lumpi ins Europaparlament!

  1. Mit Blick auf diesen Artikel des Kanadiers John Degen wendet heute ein Kritiker meiner Meinung zu Julia Reda ein: „Wenn sie irgendetwas nicht ist, dann dumm. Und genau das ist unser Problem.“ Ich wäre mir da nicht so sicher. Zustimmen könnte ich dem Einwand „wenn sie irgendetwas nicht ist, dann schön“. Aber „nicht dumm“? Sollte sie wirklich nicht so dumm sein, wie sie sich präsentiert – was ist sie dann? Heuchlerisch? Scheinheilig? Unaufrichtig? Unredlich? Verlogen? Hinterhältig? Heimtückisch? Kriminell? Womöglich gar irre? Voll neben der Kappe? Ein Fall für den Hirnklempner? Nicht doch! Ich glaube, sie ist einfach nur ein sehr dummes Mädchen.

  2. Das Blog kommt wieder raus aus meinem Reader – das hier ist böswilliges aus dem Zusammenhang reissen, wie es die BILD gerne macht. Julia erklärt im Interview sehr wohl an Beispielen, wie unsinnig und kompliziert das Urheberrecht ist. Und eigentlich müsste jedem klar sein, dass es den neuen supranationalen und technischen Kommunikationsbedingungen angepasst werden muss, um nicht ständig absurde Ergebnisse und extreme Unsicherheiten zu produzieren.

    • Nee, is klar, Einstein: das Urheberrecht muß Googles Wünschen angepaßt werden, und zwar supranational und ganz doll kommunikationstechnisch. Wie alt bist Du? Dreizehn? Der Versuch, Urheber ausgerechnet gegen Rechteinhaber auszuspielen, ist dermaßen bescheuert, daß ihn selbst der klügste Zusammenhang nicht relativieren könnte – und von klugem Kontext kann bei Frau Reda leider keine Rede sein. Übrigens halte ich nichts von anonymen Briefschreibern (https://virchblog.wordpress.com/2013/02/25/anonyme-briefe/).

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