Geflüchtete Vertriebene

Flüchtlinge sind Menschen in höchster Not. Und viele, viele wollen zu uns kommen. Wie sollen wir darauf reagieren?

Klar: erst einmal im Facebook alle Feiglinge entfreunden, die angesichts der rapide wachsenden Zahlen ein mulmiges Gefühl nicht verhehlen, dann: knallhart Stellung gegen Haßmailschreiber und Brandstifter beziehen. Damit ist nicht nur den Flüchtlingen sehr geholfen, man hat auch endlich mal Gelegenheit, bildungsfernen und anderswie benachteiligten Idioten, denen man als sozial denkender Mensch sonst immer die Stange halten muß, nach Herzenslust in den Arsch zu treten. Endlich mal kann man hirnlose, teils sogar zahnlose Unterschichts-Ossis pauschal zu Rassisten und Nazis, halt zu dem Pack erklären, das sie nun mal sind. Ferner wichtig: eine intensive Diskussion der Frage, wie Flüchtlinge politisch korrekt zu nennen sind. Ist „Flüchtling“ eine geschlechtergerechte Bezeichnung? Sollte man nicht besser von Geflüchteten (taz) oder, noch besser, von Vertriebenen (Sascha Lobo) reden?

Zweite Frage, und jetzt ernsthaft: Haben wir eigentlich den Schuß gehört? 800.000 Flüchtlinge binnen eines Jahres stellen Deutschland in der Tat vor „riesige Aufgaben“ (Merkel). Die sind jedoch nicht damit gelöst, daß man sie mit ernstem Augenaufschlag „riesige Aufgaben“ nennt. Ihre Bewältigung hätte längst gründlich vorbereitet gehört; dieser Sommer ist nicht der erste, in dem Syrien brennt und Afrikaner im Mittelmeer ertrinken; die „riesigen Aufgaben“ waren lange absehbar, und es war auch absehbar, daß es nicht um bloßes Willkommenskuscheln und angemessene Erstunterkünfte gehen würde. Ist unser Gesundheitssystem auf die Flüchtlinge eingestellt? Stehen genug Ärzte, genug Diagnose- und Therapiezentren zur Verfügung? Sind wir beispielsweise für das Auftreten hochansteckender Krankheiten wie Tuberkulose gerüstet? Stehen genug Lehrer und Schulen für die Vermittlung der nötigsten Deutschkenntnisse, der wichtigsten demokratischen Rechte und Pflichten bereit? Sind für die Finanzierung der riesigen Aufgaben entsprechend riesige Rücklagen gebildet worden? Und: Ist das Volk rechtzeitig und umfassend mit den anstehenden Problemen vertraut gemacht worden? War die Aufklärung ausreichend für eine echte Willkommenskultur?

Durchweg nö, oder? Was die letzte Frage angeht, halte ich die positiven Umfrageergebnisse übrigens für dreist getürkt. Es möge jeder mal in seinem eigenen Bekanntenkreis ermitteln, wem dort das Hemd nicht näher ist als der Rock.

Ich müßte schön blöd sein, wenn ich es bei diesem Sachstand ausreichend fände, zahnlose Prekariatsbrandstifter anzuscheißen. Gewiß soll man denen gewaltig in den Arsch treten. Vor allem soll man aber Frau Merkel, Herrn Gabriel, Herrn de Maizière und anderen Versagern gewaltig in den Arsch treten. Auch Herrn Özdemir, der anscheinend nichts anderes im Kopf hat als ein „Willkommensfest“ in Heidenau – als ob es mit einer Hüpfburg getan wäre.

Worum geht’s denn eigentlich? Doch wohl darum, die Grundlagen für eine langfristige Integration der Neuankömmlinge zu schaffen.

Und?

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