Lügenpresse II

Pegida empört die rechtschaffenen deutschen Medien und bietet ihnen zugleich ein herrlich spektakuläres Motiv. Den vierzigtausend demonstrierenden Rettern des christlichen Abendlandes ist die anhaltende Aufmerksamkeit der von ihnen so geschmähten „Lügenpresse“ sicher, gleiches gilt für die Köpfe der AfD, die man bereitwillig in die großen öffentlich-rechtlichen Fernsehtalkshows einlädt.

Dort kündigt man sie als „Rechtspopulisten“ an, als handle es sich dabei um ihren Beruf oder ihr Amt. Populismus ist laut Duden aber eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen“. Ich halte Höcke, Gauland, Petry und Konsorten zwar für üble Populisten, doch von Journalisten verlange ich Neutralität. Es steht ihnen nicht zu, mir zu sagen, was ich zu denken habe, indem sie mir bestimmte Leute nach Belieben mit dem Etikett Volksverführer präsentieren.

Populisten werden, nebenbei, nicht nur rechts, sondern leider auch links verortet. Den griechischen Premier Alexis Tsipras etwa betiteln die deutschen Medien notorisch als Linkspopulisten. Zugleich entrüstet man sich in den Redaktionen über den Vorwurf der Voreingenommenheit oder gar Unehrlichkeit. Um ihm entgegenzutreten, hat die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali ihre jüngst gedrehten Interviews mit Pegida-Demonstranten komplett ins Netz gestellt als Beweis, daß der daraus zusammengestellte Bericht nicht manipulativ sei.

Das Material ist nicht überraschend. Neben vereinzelten ernstzunehmenden Argumenten und durchaus glaubwürdiger Besorgnis tragen die Befragten aufgebrachtes Gestammel vor. Gestammel ist bei Straßeninterviews der Normalfall, und wütende Ablehnung der herrschenden Einwanderungspolitik ist nun mal Zweck der Pegida-Versammlungen.

Interessant ist etwas anderes. Hayali stellt den Interviewten immer wieder die Frage, wieso man sich in Sachsen so vor dem Islam fürchte, obwohl es dort kaum Muslime gebe. Wieso weiß die Journalistin die Antwort nicht selbst? Mangels eigener Anschauung können die erbosten Sachsen ihr Wissen doch nur aus den Medien haben. Dort hat man dem Thema Migration stets gern und viel Raum gegeben und die Befürchtungen offensichtlich geweckt. Daß die eigentlich schon im Einschlafen begriffene Pegida-Bewegung wieder aufgelebt ist, hat mit dem medialen Trommelfeuer an Bildern unkontrollierter Flüchtlingsströme zu tun, mit den pausenlosen Berichten über chaotische Zustände in überforderten Aufnahmelagern, über Hunderttausende syrischer, irakischer und pakistanischer Muslime, die nirgendwoanders hinwollen als nach Deutschland. Und es hat mit Äußerungen wie jener der Grünen Katrin Göring-Eckardt zu tun, die in Jauchs Fernsehrunde erklärte, Deutschland werde sich durch die Flüchtlinge „drastisch verändern“.

Ich kann mich nicht erinnern, als Bürger gefragt worden zu sein, ob ich Deutschland drastisch verändert wissen möchte. Die Fahrt ins Ungewisse wird mir als alternativlos verordnet, mit moralischem Imperativ. Bedenken werden als „rechts“ gerügt. Ich kann gut verstehen, daß viele Deutsche angesichts all dessen überzeugt sind, sie seien im Begriff überrannt zu werden, würden entmündigt, benachteiligt und belogen.

Wer das als Journalist nicht begreift, hat den Beruf verfehlt. Wenn die Ängste und Haßausbrüche der Wutsachsen allesamt unbegründet sind, soll die „Lügenpresse“ gefälligst darangehen, das falsche Bild, das sie vermittelt hat, schnellstens zu korrigieren, statt fehlinformierte Simpel bloßzustellen und sie Rechtsextremen in die Arme zu treiben.

Hätte Frau Hayali ernsthaft erkunden wollen, wie die Menschen denken, die an Pegida-Versammlungen teilnehmen, und was ihre Auffassungen nährt, hätte sie keine spektakulären Stichproben mit der Kamera gemacht, sondern eine gründliche Studie durchgeführt, hätte Hintergründe beleuchtet und Belege zusammengetragen. Das wäre Journalismus gewesen.

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