Schmutzwäsche

Die „Panorama“-Moderatorin Anja Reschke fordert die Aufklärung der „Horror-Nacht von Köln“ und macht der Polizei Vorwürfe: „Warum wurde das Thema polizeilich in den ersten Tagen eher klein gehalten? All das sollte so genau wie möglich untersucht werden. Wenn es Tätergruppen in Köln, Hamburg, Stuttgart gibt, die seit Jahren den sogenannten ‚Antanz-Trick’ anwenden, nämlich ihre Opfer – Frauen wie Männer – zu bedrängen, um ihnen währenddessen unbemerkt das Handy oder Portemonnaie aus der Tasche zu ziehen, dann ist es die Aufgabe der Polizei, solche Täter zu finden, und die Aufgabe des Rechtsstaates, solche Täter zu verurteilen.“

Der Ruf nach Polizei und Recht und Ordnung klingt ungewohnt aus ihrem Munde, aber Frau Reschke hat recht.

Zu ergänzen ist: es gibt solche Tätergruppen auch in Berlin. Dort hat die Polizei einige Jahre lang versucht, vor ihnen mit einem Aufklärungsvideo zu warnen, bis das Filmchen 2013 auf harsche Kritik stieß. Der Vorwurf: Rassismus. Es bestand nämlich aus Originalaufnahmen einer Überwachungskamera und zeigte nur ausländisch aussehende Täter. Also wurde ein neues Video gemacht – diesmal mit nachgespielten Szenen. Da sahen die Täter dann alle europäisch aus. Wie fromm die Absicht dahinter auch gewesen sein mag – es sind Täuschungen wie diese, die das Volk Abgründe an Betrug argwöhnen lassen.

Nun reibt man sich unter Fremdenfeinden die Hände: In Köln ist der Schwindel aufgeflogen! Die Lügenpresse bloßgestellt! War es nicht richtig und hellsichtig von Björn Höcke (AfD), unsere blonden Frauen vor lüsternen Muslimen in Schutz nehmen zu wollen?

Natürlich liegt Höcke und Konsorten an Frauenrechten in Wahrheit ebensowenig wie an jenen von Homosexuellen, und das Letzte, woran ihnen liegt, ist eine kritische Presse. Das würden wir zu spüren bekommen, wenn die Rechte bei uns die Macht gewönne wie in Polen, dessen Medien gerade an die Leine gelegt werden und dessen Außenminister Witold Waszczykowski sich zum Kampf gegen einen „Mix aus Kulturen und Rassen, Radfahrern und Vegetariern“ berufen fühlt.

Bei uns unmöglich? Alle Länder Europas, in denen seit Auftauchen der Flüchtlingskolonnen Wahlen stattgefunden haben, hatten einen Rechtsruck zu verzeichnen. In Deutschland ist die erstarkte AfD fremdenfeindlicher denn je, und die Gegner von „zuviel Zuwanderung“ stellen die Bevölkerungsmehrheit. Sie werden nicht dadurch weniger, daß man sie allesamt zu Rassisten und Idioten erklärt und jeden womöglich berechtigten Anlaß ihrer Befürchtungen leugnet. Nicht Horst Seehofer treibt den Rechtspopulisten Wähler zu (er sammelt sie vielmehr ein) – die offensichtlichen Schönfärber tun es, die Beschwichtiger und Realitätskosmetiker, die glauben, daß das Volk Informationen nur handverlesen und saubergewaschen verkrafte.

Wer sich scheut, Übel zu benennen, kann nicht erwarten, daß man ihm Abhilfe zutraut.

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