Gutdeutsch

Das Wort Gutmensch ist zum Unwort des Jahres erklärt worden, weil es gute Menschen diskriminiere. Wer es benutzt hat, ist damit als Unmensch ausgewiesen. Behauptet ein solcher Unmensch nun, er dürfe nun nicht einmal mehr „Gutmensch“ sagen, lügt er natürlich und kann froh sein, wenn er selbst – und sei es mit negativem Präfix – noch als Mensch bezeichnet wird.

Das Wort Mensch ist ansonsten nämlich wichtiger Kernbestandteil des Gutdeutschen und attestiert Leuten, die dessen bedürftig scheinen, daß auch sie Menschen sind. Das Gutdeutsche legt gleichsam fürsorglich den Arm um schwarze Menschen, behinderte Menschen, homosexuelle Menschen, geflüchtete Menschen usw., zugleich hüllt es den Gutdeutschsprecher in den warmen Schimmer sozialer Kompetenz. Schwarze, Behinderte, Homosexuelle und Flüchtlinge, die sich eh nie für Fische oder Zebras oder Buchfinken gehalten haben, sind vielleicht erst einmal befremdet; sie sollten sich aber dankbar klarmachen, daß das gutdeutsche Attribut Mensch nicht für jede Unzulänglichkeit verliehen wird. Niemand nennt Raucher rauchende Menschen oder Alkoholiker saufende Menschen.

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