Armes Mikro

Es tut gut, das Flüchtlingsthema mal links liegen zu lassen. Die Diskussion dreht sich seit Wochen endlos im Kreise, während sich am Problem selbst nichts ändert: die Erfüllung moralischer Christenpflicht scheitert an der Unlösbarkeit der Aufgabe, und als Sündenbock steht bereits wer fest? Griechenland, richtig.

Reden wir also kurz über was anderes. Über das Mikrophon. Zum Glück können Gegenstände keinen Schmerz und keine Demütigung empfinden. Könnten sie es, hätte das Mikrophon unser Mitleid verdient. Nicht nur, daß seine grausige Bestimmung darin besteht, auch schrägste Töne und größten Blödsinn aufzunehmen – es muß sich auch noch begrapschen lassen! Sängerinnen und Sänger gehen ihm ans Stativ, liebkosen es wie ein Genital, bespeicheln es, fressen es geradezu auf oder lassen es am Kabel über ihrem Kopf kreisen. Ausnahmslos alle Redner greifen am Pult danach, bevor sie auch nur ein Wort gesprochen haben, und verbiegen kraftvoll, was der Tontechniker zuvor sorgsam ausgerichtet hat. Ob Politikerrede oder Festvortrag im Tennisclub, gebogen wird immer, achten Sie mal drauf.

Deshalb ist das Wangenmikrophon (heißt es so?) eine gute Erfindung. Es eignet sich zwar nicht für den Bundestag, sondern ist für Leute gedacht, die beim Reden oder Singen beweglich sein möchten. Es hängt, kaum sichtbar, neben dem Mund, niemand frißt es auf, niemand fummelt daran herum. Perfekt. Nur eine Bitte hätte ich an die Hersteller. In Eurem Bemühen, die Dinger so unauffällig wie möglich zu gestalten, macht Ihr sie hautfarben. Tut das nicht. Macht sie bunt, chromglänzend oder sonstwie auffällig, aber macht sie nicht hautfarben, damit sie nicht aussehen wie Warzen.

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