Mimimi

In einem Kommentar zur heute früh von mir besprochenen Wortwahlempfehlung „Flüchtende“ lese ich gerade:

Wie fühlt sich das Wort Flüchtling an? Was macht es mit mir?

Hallo? Bis vor kurzem hätten sich die Leute gefragt: Flüchtling? Was soll ich davon halten? Wie steh ich dazu? Nun plötzlich späht alles ins sensible eigene Innere. Und zwar bei jeder Gelegenheit. Das Wetter ändert sich – was macht das mit mir? Ein neues Buch von Sarrazin – was macht das mit mir? Die Jägermeisterflasche ist leer – was macht das mit mir?

Für die Suche nach „Was macht es mit mir“ liefert mir Google soeben 71.100 Ergebnisse. Vielleicht starren all die weltfernen Gestalten, die mit gesenktem Blick in der Stadt umherschlurfen, gar nicht auf ihr Smartphone, sondern bloß besorgt auf den eigenen Nabel! Wenn etwas mit einem gemacht wird, ist man schließlich ausgeliefert, man wird womöglich mißbraucht, vergewaltigt, geschändet!

Und was macht das mit mir? Es macht mich sinnen.

Kann es sein, daß sich ein ganzes stinkreiches Volk in einer Opferrolle wähnt? Ein Volk, mit dem böse Mächte böse Sachen machen? Das sich nicht mehr fragt, was es gegen die Mißstände tun kann, die es bejammert und bejault? Das sich nicht mehr fragt, wie es auf politische Schamlosigkeiten und kapitalistische Dreistigkeiten reagieren sollte, sondern nur noch selbstversunken mimimi macht?

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