Vorschlag zur Güte

„MACHEN SIE SICH FREI“ zitieren zahllose deutsche Blätter die Polizisten, die in Nizza eine Muslimin aufgefordert haben sollen, ihren Burkini auszuziehen; genauer: die Blätter zitieren nicht die Polizisten, sondern die britische Tageszeitung „Daily Mail“, welche die Geschichte mit „Get’em off“ betitelt hatte. Das ist zwar eher mit „Runter damit“ zu übersetzen, aber „Machen Sie sich frei“ klingt so herrlich anzüglich, so prickelnd genital nach Frauenarzt. Die „Brigitte“ gruselt sich: „Stell dir vor, du liegst am Strand, willst die Sonne genießen – und plötzlich stehen bewaffnete Polizisten vor dir, die verlangen, dass du dich ausziehst! Klingt schrecklich? Ist die schreckliche Wahrheit!“ 

Echt schrecklich – da legt man selbst als Mann beim Lesen schützend die Hand in den Schritt. Was die Sache noch schrecklicher macht: die vier Polizisten waren bewaffnet! Mit Waffen! Bewaffnete Polizisten! Ausgerechnet!

Hier und da wird sogar gemeldet, zwei der Beamten hätten kurze Hosen getragen. Dabei hatte die Frau in Nizza gar keinen Burkini an, sondern ein langes Oberteil und ein Kopftuch.

Vielleicht sollten sich Musliminnen am Strand auf die Taktik besinnen, die französische Nudisten schon 1964 im Film gegen Louis de Funès anwendeten: ganz schnell anziehen, wenn die Gendarmen kommen. Im Burkinifall natürlich umgekehrt: ganz schnell ausziehen.

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Nein, Quatsch. Ein Vorschlag zu Güte: völlige Freistellung jeglicher weiblichen Verhüllung, wenn alle männlichen Familienmitglieder dasselbe tragen.

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3 Gedanken zu „Vorschlag zur Güte

  1. Noch eine Anmerkung zur plumpen sprachlichen Manipulation in dieser Angelegenheit: Burkiniträgerinnen wurden angeblich aufgefordert, „sich auszuziehen“. Das ist herrlich empörend, aber falsch. Wer SICH auszieht, ist nämlich nackt, und Nacktheit ist noch von keiner Muslima verlangt worden.

  2. Österreich: „Eine Vielzahl an Werberäten und Werberätinnen ist der Auffassung, daß die beanstandete TV-Werbemaßnahme hinsichtlich des Ethik-Kodex der Werbewirtschaft, konkret Artikel 2.1 Geschlechterdiskriminierende Werbung (sexistische Werbung) sowie 1.1 Allgemeine Werbegrundsätze nicht sensibel genug gestaltet wurde.“

    • Danke für das hübsche Beispiel feministischer Hirnverbranntheit. Ein alter Film, der staatliche Prüderie verulkt und fröhliche Nackte beiderlei Geschlechts zeigt, soll sexistisch sein; zugleich pochen dieselben feministischen Sittenwächter auf die Freiheit jeder Frau, sich so freizügig kleiden, wie es ihr paßt, und während sie mittels Unterstrich, Binnen-i, Sternchen etc. gegen die Vermummung der Frau in der Sprache kämpfen, werfen sie sich ebenso aufgebracht für deren Recht auf unterwürfige Vermummung im täglichen Leben in die Brust. Das ist schon schwer bekloppt; noch schlimmer ist aber die unerträgliche Verkniffenheit.

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