Kennedy

bearleener

Als Kennedy ermordet wurde, war ich 13, und ich weiß noch, was ich empfunden habe. Ich habe die Szene deutlich vor Augen: außer mir war niemand zuhause, ich drückte mich gerade vor irgendeiner Arbeit und mopste mich pubertierend vor dem Schwarzweißfernseher herum, da kam die Nachricht. Und obwohl ich tief mitten im Sauerland heranwuchs, waren mir der Name und das Gesicht vertraut. Kennedy war sagenhaft kantig und amerikanisch und hatte ganz ebenmäßige, strahlende Zähne. Und er war wahnsinnig beliebt, weil er sowas wie ein großer Bruder war, der einen beschützt. Er war einfach klasse. So müßte man sein, fand ich, und nicht mickrig und pickelig. Mir kamen die Tränen.

Dann hörte ich meine Eltern an der Tür. Ich machte schnell den Fernseher aus, lief in den Flur und sagte: Kennedy ist tot. Sie kriegten eine Scheißangst, sprachen über Atombomben und so weiter, aber da war ich schon wieder in meinem Zimmer, hörte Schlager und weinte noch ein bißchen.

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