Höcke darf nicht nach Mallorca!

Der Lärm brandet an meinem Fenster hoch, Hupen und Wutgesänge in agressiven Wellen, immer wieder knallt es bedenklich. Seit der Bundestagswahl kommt das Land nicht zur Ruhe, obwohl sich Deutschland mit der Regierungsübernahme der Nationalisten überraschend gut arrangiert hat. Selbst die Lederhosen- und Dirndlvorschrift für öffentliche Einrichtungen wurde von weiten Volksteilen freudig aufgenommen, geradezu begeistert begrüßte man das Holocaustgesetz, welches die Erwähnung gewisser historischer Vorkommnisse als Beleidigung des Deutschtums unter Strafe stellt. Mit einem solchen Erdrutschsieg hatte niemand gerechnet; Prognosen sind tatsächlich keine Wahlergebnisse – allerdings war der immense Zustrom an Flüchtlingen und Migranten im Sommer 2017 auch völlig unerwartet gekommen.

Nun, es ist, wie es ist, die AfD hat triumphiert. Vereinzelte Pressestimmen, welche die Fortführung der Ermittlungen gegen Björn Höcke gefordert hatten, verstummten nach den Säuberungen in Justiz und Polizei und der Liquidierung zahlreicher Sender und Zeitungen. Im Ausland beobachtete man die deutsche Entwicklung besorgt, war aber um Deeskalation und Gesprächsbereitschaft bemüht. Man erinnerte leise an europäische Werte und bat um die Freilassung inhaftierter Journalisten und Menschenrechtler, was Kanzler Höcke mit Hinweis auf deren terroristische Spionagetätigkeit zurückwies. Ein seltsam dilettantischer, rasch niedergeschlagener Putschversuch der Bundeswehr brachte das deutsche Volk dann endgültig geschlossen hinter den Führer. Während dieser Gegner und vermeintliche Gegner zu Tausenden ins Gefängnis stecken ließ, selbst kritische Jugendliche und Kinder persönlich verklagte und erklärte, er werde die Todesstrafe wieder einführen, wenn das Parlament dies wünsche – wobei er aus seiner eigenen Neigung kein großes Geheimnis machte – kondolierte ihm ganz Europa zu seiner schmerzlichen Erfahrung.

Erst als er daranging, ein diktatorisches Präsidialsystem in Deutschland zu errichten, wurde die Welt ein wenig nervös, zumal der Führer und seine Minister vehement darauf bestanden, vor dem diesbezüglichen Referendum auch im Ausland überall dort für den großen Plan zu werben, wo Menschen mit deutschem Paß anzutreffen seien.

Es war Mallorca, das schließlich  den Eklat provozierte: Als Außenminister Gauland in Palma einfliegen wollte, verweigerten ihm die Mallorqinischen Behörden die Landeerlaubnis im Coliseo Balear, obwohl dort bereits tausende fahnenschwenkender deutscher Rentner auf eine ordnungsgemäß angemeldete Laienspielaufführung warteten. Unverzüglich wies Höcke Justizministerin Petry an, nun statt Gaulands die Insel anzulaufen, doch ihr Außenbordmotor wurde knapp hinter der Dreimeilenzone von der Mallorqinischen Regierung eingezogen, und Petry mußte unverrichteter Dinge nach Marseille zurückpaddeln.

Kanzler Höcke schäumte vor Wut. Er ließ den Mallorqinischen Botschafter einbestellen, die Mallorqinische Botschaft abriegeln, die deutsche Flagge darauf hissen und erklärte, Mallorca verhalte sich wie eine Bananenrepublik. Die faschistischen Mallorquiner, so Höcke, würden für ihr unanständiges Verhalten und ihre Nazimethoden teuer bezahlen. „Die Mallorquiner haben keine Ahnung von Diplomatie oder Politik! Die müssen lernen, sich zu benehmen! Wenn ich nach Mallorca will, komme ich noch morgen, und wenn ihr mich nicht hereinlaßt oder mich nicht sprechen laßt, dann mach ich einen Aufstand!“

Unten auf der Straße steigt der Lärmpegel. Ein Meer von Deutschlandfahnen, Lederhosen- und Dirndlmassen, heisere Sprechchöre gegen Mallorca. Die AfD marschiert. Ein Alptraum.

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