Brüste sind kein scharfes Schwert

Die Welt ändert sich atemberaubend, nicht wahr? Globalisierung, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Haushaltsgegenstände, die sich miteinander über ihre Besitzer unterhalten, Roboter, Vernetzung von Stromversorgung, Wasserversorgung, Verkehr, Militär, Wirtschaft, Finanzen, Krankenhäusern – es gibt kein Halten, und jeder muß mit, ob er will oder nicht. Selbst die Kinder sollen nun digitalisiert werden. Wovor allerdings kritische Stimmen warnen. Die Süddeutsche berichtet: „Am 20. Juni hat ein ‚Bündnis für humane Bildung’ einen offenen Brief an die Kultusminister adressiert und den ‚Digitalpakt Schule’, für den das Bundesbildungsministerium fünf Milliarden Euro vorgesehen hat, als ‚Irrweg’ bezeichnet.“ Was im Computer sei, so das Bündnis, sei noch längst nicht im Hirn. Das ist eine schlichte, aber unumstößliche Tatsache, außerdem gibt es wirklich keinen Grund, ausgerechnet Schüler in die digitale Welt einzuführen; sie flutschen ja ganz von selbst hinein. Der Schriftsteller Max Goldt hat schon vor 17 Jahren darauf hingewiesen, daß die Schwierigkeit im Umgang mit dem Internet „irgendwo zwischen dem Binden eines Windsorknotens und dem Erlernen von Standardtänzen“ liege. Um eine essentielle Kulturtechnik gehe es dabei nicht.

Dasselbe gilt für Videospiele und Pornos, die auf dem Schulhof weiß Gott nicht mehr eingeführt werden müssen, sie sind schon lange da. In Australien, so das Bündnis, seien letztes Jahr die für 2,4 Milliarden Dollar angeschafften Laptops wieder eingesammelt worden, weil die Schüler alles Mögliche damit gemacht hätten – nur nicht gelernt.

Vermutlich haben sie vor allem gekämpft. Unter fetzenfliegendem Geballer, Hauen und Stechen. Das Hauen und Stechen ist freilich nichts Neues und hatte schon immer hohen Unterhaltungswert. Wie mir aufgefallen ist, spielt besonders das Schwert dabei eine herausragende Rolle, und zwar schon seit den Epen der Antike. Der Erfolg zahlloser Ritterromane, Sandalenfilme, Mantel- und Degenschinken hat seine Bedeutung in neuerer Zeit bestätigt. Nun sind noch Fantasy und Science Fiction als Schwert-Genres hinzugekommen. Die Leinwandschwertkämpfe müssen inzwischen in die Millionen gehen. Was wäre Conan ohne Schwert? Oder der Herr der Ringe? Game Of Thrones? Demnächst kommt ein neuer Krieg der Sterne – was wäre der ohne Laserschwert?!

Ein Facebook-Freund glaubt, ich sei da etwas Großem auf der Spur, wendet aber ein, Game Of Thrones biete auch viel nackte Haut. Meine Antwort: Schwerter sind offenbar wichtiger als Titten, schließlich gibt es Laserschwerter, aber keine Lasertitten.

Überhaupt: das Laserschwert! Ein Wunder! Laserstrahlen sind ja eigentlich unsichtbar. Man sieht nur, wo sie auftreffen. Dr. Hubert Zitt, Professor für technische Informatik, meint daher, bei Skywalkers Lichtklinge müsse es sich in Wahrheit um Plasma handeln, ein Gas, zusammengehalten von einem ringförmigen Magnetfeld. Die Klinge hätte dann allerdings eine Temperatur von etwa 200 Millionen °C, bedürfte zur Energieversorgung eines hausgroßen Generators und riefe obendrein starken Sonnenbrand hervor. Weiterhin bedenklich: im Film preschen die Vertreter unfaßbar hochentwickelter Zivilisationen einerseits in gewaltigen Schiffen durch Raum und Zeit und verfügen über Ballerwaffen, mit denen man ganze Planeten ausknipsen kann, andererseits hauen sie einander immer noch mit Schwertern auf die Birne – ist das zu fassen?!

Und wir sehen uns das an, trotz Globalisierung, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und so weiter! Oder vielleicht gerade deswegen. Wir sehnen uns nach Märchen. Als der erste Sternenkrieg 1978 in den deutschen Kinos ausbrach, war ich fasziniert von den Figuren – ein verwegener Abenteurer, eine Prinzessin, ein böses Imperium, ein schwarzer Röchler mit Maske, ein sprechender Affe …

Sofort setzte ich mich hin und schrieb selbst ein Weltraumepos: Der böse Idi Brez Benofi verfügt über ein gigantisches Lasergebiß, mit dem er die Heimatbrezel der schönen Prinzessin Lycra intergalaktisch zerbeißt. Sofort eilen ihr der weise Ofi Brez Benidi und der tollkühne Politologiestudent Hans Olo in dessen Raum-Sammeltaxi zur Seite; Ofi Brez Benidi verkleidet sich als Zahnarzt und klingelt unerkannt bei Idi Brez Benofi an der Haustür … Ich kriegs nicht mehr ganz zusammen, irgendwie war auch noch eine singende Frühlingsrolle namens Xoga Mopsi dabei. Die Story war jedenfalls super, sie hatte nur einen schweren Fehler. Es fehlten die Schwerter.

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