Ihr me too

Liebe Metoossies,

etwas wie das folgende ist mittlerweile bestimmt schon oft gesagt worden – keine Ahnung, ich habe keinen der zahllosen Artikel über Euren neuen Metoo-Aufschrei ganz gelesen, weil mir das Thema wahnsinnig, wahnsinnig, wahnsinnig auf den Sack geht. Die Welt ist schlecht, da habt Ihr recht, aber das ist erstens keine Neuigkeit und zweitens sind weder alle Frauen Opfer noch alle Männer Täter.

Schon mal was von Generalverdacht gehört? Nicht, daß mir das Wort besonders gefiele – es wird ja von jedem Hansel als Warnung vorgetragen, der irgendwen für schutzbedürftig hält, seien es Flüchtlinge, Muslime oder ganz allgemein Videoüberwachte. Es gibt offenbar nur eine Gruppe, die man nach Herzenslust unter Generalverdacht stellen darf: Männer. (Flüchtlinge und Muslime natürlich ausgenommen.)

Ich möchte jetzt nicht im Gegenzug alle Frauen unter Generalverdacht stellen, ich weise nur darauf hin, daß es unzählige Frauen gibt, die jede Menge Spaß an Sex, Anzüglichkeiten und derben Zoten haben. Als Schüler habe ich gelegentlich gejobbt und erinnere mich gut an meine Ferien in einer Firma, die Radiatoren herstellte. Wann immer ich da am Frühstückskränzchen der Damen vorbeikam, kriegte ich Sachen zu hören, die mir noch mit fünfzehn das Blut in die Ohren trieben.

Ich habe meinerseits an Zoten nicht viel Gefallen (es sei denn, die Pointe ist gut). Ich gebe allerdings zu, daß ich im Leben ab und zu Frauen angefaßt habe – und das nicht nur am Knie. Dies jedoch stets mit ihrem ausdrücklichen Einverständnis. Ich habe auch viele Komplimente gemacht und habe damit nicht ein einziges Mal Tränen, Entsetzen oder Traumata ausgelöst. 1974 habe ich sogar mal einer Sängerin ein Kompliment über ihre Brüste gemacht. Wir traten im selben Saal auf. Sie trug französische Chansons vor, hatte eine sehr schöne Stimme und einen wundervollen Busen. Und jetzt anschnallen, Leute, hier kommt mein persönliches Metoo: Nachdem ich ihr in der Pause meine Bewunderung über ihre Stimme ausgesprochen hatte, deutete ich auf ihre Brust und sagte mit derselben ehrlichen Begeisterung: „Ein toller Busen!“ Sie strahlte. „Ja, und ich habe mir vorgenommen, nie wieder einen BH zu tragen.“

Ich lasse mich nicht davon abbringen – es lebe die Weiblichkeit, die unverklemmte gegenseitige Anziehung, der beschleunigte Puls, es lebe die Liebe. Und eines noch zum Stichwort „aufdringliche Blicke“: Nicht vergessen, die Damen – ab einem bestimmten Alter sind wir alle unsichtbar.

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