Tempolimit

Ein Wort, daß ich ganz besonders hasse, ist „Gängelung“. Wer es in den Mund nimmt, sollte von jedermann auf der Stelle kräftig geohrfeigt werden dürfen. Es hatte sein letztes Hoch zu Zeiten der Piratenpartei. Die Piraten waren ein Haufen unterbelichteter Arschlöcher, die mit „Gängelung“ alles bezeichneten, was ihnen beim Diebstahl fremden Eigentums im Wege war. Nun redet Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, von „Gängelung“, um das akut diskutierte Tempolimit zu diskreditieren. Ich will bei dem Thema nicht den Moralisten raushängen, weil ich schnell fahre, wo immer es erlaubt ist. Zwischen Hannover und Dortmund etwa habe ich oft genug den Tempomaten auf 200 kmh gestellt und es in vollen Zügen genossen, die Landschaft vorbeifliegen zu lassen. Ob ein Limit mehr oder weniger Staus bewirken würde, kann ich nicht beurteilen, und ich halte es auch nicht für sicher, daß schnelles Fahren generell die Ursache besonders schwerer Unfälle ist; eine weitaus größere Gefahr scheint mir auf der Autobahn von den zahllosen Langsamfahrern auszugehen, die ohne Rücksicht auf Schnellere und ohne jeden Blick in den Rückspiegel auf die Überholspur wechseln. Was im Unterschied zur „Raserei“ übrigens kaum jemals öffentlich gerügt wird. Meine Vermutungen dazu sind aber nicht von Belang. Es geht in der Auseinandersetzung um Menschenleben und die Umwelt. Wenn der Nutzen eines Tempolimits faktisch belegbar ist, muß es eingeführt werden und ebenso Geltung haben wie der ganze Rest der Straßenverkehrsordnung. Punkt. Wer die StVO als „Gängelung“ empfindet, sollte sich mal sein Gehirn untersuchen lassen.

Ich gebe ehrlich zu, daß ich unter einem Tempolimit leiden würde wie ein Hund. Habe ich mich im Leben nicht sehnsuchtsvoll über klapprige Gebrauchte an richtige Pferdestärken und breite Schlappen herangearbeitet? Ist sinnfreie Beschleunigung etwa nicht herrlich? Ist satter Sound kein Genuß? Wir alle, die wir noch von Hand geschaltet und Zwischengas gegeben haben, werden gequält mit den Zähnen knirschen. Wir, die wir noch die Ideallinie in den Kurvenbelag gefräst und dabei Roth-Händle geraucht haben! Das spielt aber keine Rolle. Wir sollten jetzt mal die Fresse halten und die Entscheidung Jüngeren überlassen. (Damit ist Andreas Scheuer ausdrücklich nicht gemeint.)

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Ein Gedanke zu „Tempolimit

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